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Chick Chick Boom
WiiWare-Review von Tim Herrmann (mail) | 30.11.2010
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Deutsche Entwickler sind bekannt für tiefgründige Strategiespiele, für Wirtschafts- und Aufbausimulationen wie Die Siedler oder Anno. Deutsche Entwickler sind auch weltweit bekannt und anerkannt für Point & Click Abenteuer wie Geheimakte Tunguska und Geheimakte 2. Deutsche Entwickler waren bisher allerdings nicht bekannt für wild gewordene, kugelige Hühnchen, die sich gegenseitig bombardieren, mit fleischfressenden Pflanzen piesacken oder mit Blitzen und Starkstromschlägen malträtieren. Der kleine in Frankfurt am Main ansässige Entwickler tons of bits änderte dies mit der WiiWare Chick Chick Boom jetzt aber und sorgte mit seinem ersten WiiWare-Spiel grenzüberschreitend für Aufmerksamkeit. Wir testen das frenetische Hühnchenkloppen in einem kurzen und knackigen WiiWare-Review.

So simpel wie eingängig
Die erfolgreichsten Spielprinzipe aller Zeiten haben eines gemeinsam: Sie sind simpel bis zum Gehtnichtmehr und bieten unter der scheinbar seichten Oberfläche so viele Möglichkeiten, dass Spieler sich wochenlang mit der Software beschäftigen können. Als populärste Beispiele sind hier sicherlich Super Mario Bros., Bomberman oder Tetris zu nennen. Doch wenn das alles so einfach wäre, würden alle Entwickler ihre Spiele nach diesem Prinzip stricken – doch so einfach ist es eben nicht. Denn zwischen „simpel“ und „stinkend langweilig“ verschwimmen die Grenzen und ehe man sich versieht, befindet sich ein Spiel eher in der zweiten als in der ersten Kategorie.

Umso mehr Respekt darf man den Entwicklern von tons of bits dafür zollen, dass Chick Chick Boom sich eindeutig in die Riege der Spiele einordnen darf, die ein eigentlich grundsimples Spielprinzip mit so viel intuitivem Tiefgang und so viel motivierender Eingängigkeit untermauern können, dass dabei ein insgesamt bombenfestes Gesamtkonstrukt entsteht.



Gesittet und doch wild durcheinander
Das Spielprinzip von Chick Chick Boom ist, seiner Simplizität sei Dank, leicht erklärt: Zwei Kükenteams wollen sich gegenseitig so viel Schaden wie möglich zufügen und den jeweils anderen vom Platz jagen. Dazu greift man sich gegenseitig rundenbasiert mit drei Attackentypen an: Man kann eine Bombe werfen, ein Gewicht auf die Gegner fallen lassen oder ihnen eine karnivore Pflanze auf den Hals hetzen. Punkt. Ja, so simpel ist es tatsächlich. Die Kunst besteht nun darin, dieses geradezu stupide einfache Spielprinzip mit zahlreichen Kniffen und Auflockerungen zu unterfüttern.

Die wohl größte Errungenschaft ist die, dass es in dem Titel trotz des rundenbasierten Gameplays, das eine nötige Ordnung und Reihenfolge in den Ablauf bringt und ihn mit einem roten Faden versieht, nie zwanghaft streng gesittet und geordnet zugeht. Heillose Action kann immer von beiden Seiten ausgehen. Das liegt zum einen am Verteidigungssystem: Jeder Spieler kann sich vor gegnerischen Angriffen schützen, indem er kurze Linien zum Schutz auf seine Hälfte des zweidimensionalen, nur durch einen Zaun getrennten Spielfeldes zieht. Gleichzeitig kann der Gegner aber auch manipulierend auf diese Verteidigung einwirken, wenn er gerade Zeit dafür hat.

Und diese Zeit ist nicht in Massen vorhanden, denn die Attacken, die ihr auf den Gegner abfeuert, werden nicht einfach durch simplen Knopfdruck losgelassen. Zunächst müssen Punkte in Form von einer Bombe, einem Gewicht oder einer Pflanze auf dem Bildschirm verbunden werden, indem man mit dem Pointer nacheinander darauf zeigt. Wer das zügig genug schafft, darf dem Angriff Zusatzattribute geben, mit denen er noch stärker, schwieriger abzuwehren oder nachhaltiger wird.



Gleichzeitig bietet jede Arena (insgesamt gibt es davon drei) auch noch die Möglichkeit zu Spezialattacken, die beide Spieler unabhängig davon, ob sie gerade an der Reihe sind oder nicht, aufeinander loslassen können. Und dann gibt es da auch noch offensive oder defensive Extras, um die sich die Spieler kabbeln (Pinatas), Gesundheitsregeneration durch den ab und zu im Hintergrund auftauchenden Corncobman und viel mehr. Das Ganze wird in drei verschiedenen Spielmodi (Duell, Zeit und Profi) angewendet und vorher in einem gut verständlichen Tutorial erklärt. Schnell wird also deutlich: Alles beginnt sehr seicht und behutsam und das Spiel wirkt zunächst sehr dünn, doch unter der Oberfläche schlummert eine Vielzahl von Details, die den Titel flotter, abwechslungsreicher und actionlastiger gestalten und den oder die Spieler so immer wieder zum Weitermachen motivieren.

Wer ist Bomberman?
Unterdessen muss aber eines klar sein: Chick Chick Boom ist fast ausschließlich ein Multiplayerspiel. Allein gegen den Computer zu spielen, mag für eine Zeit schön und gut sein. Doch erst mit echten Menschen neben einem artet Chick Chick Boom in eine moderne Form von „Mensch, ärgere dich nicht“ aus. Beide Seiten sind permanent damit beschäftigt, ihre eigenen Attacken so verheerend wie möglich zu gestalten, gleichzeitig die gegnerischen abzuwehren und dann auch noch möglichst viele Extras zu erhaschen. Bodenlose Schadenfreude über Missgeschicke des Gegners gehört genauso zu Chick Chick Boom wie diese prickelnde Überforderung im Zusammenspiel mit dem Gegner und den vielen einprasselnden Attacken. Im Multiplayer-Modus, der übrigens auch in allen möglichen Kombinationen mit bis zu vier Spielern funktioniert (kooperativ und gegeneinander), muss sich Chick Chick Boom ganz und gar nicht hinter Klassikern wie Bomberman verstecken.

Unterdessen überzeugt der Hühnchentitel auch noch mit einer absolut glatt geschliffenen Präsentation und, was vielleicht am wichtigsten ist, einem butterweichen Pointer, der keine Wünsche offenlässt. Im sogenannten Hühnerstall werden darüber hinaus noch einige Extras wie lustige Verkleidungen für die Hühner angeboten, die mit der Zeit freigespielt werden.

Fazit:
Chick Chick Boom ist ein kleiner Stern am Multiplayer-Himmel. Wer Freunde zur Hand hat, die von den alten Bekannten wie Bomberman oder Mario Kart langsam angeödet sind, macht mit Chick Chick Boom absolut nichts falsch. Der Titel besticht durch handwerklich durchweg saubere Entwicklung und viele kleinen i-Tüpfelchen. Das Gameplay findet eine sehr gute Balance zwischen einigermaßen geordnetem Kleinkrieg und heillosem Durcheinander, zwischen Schadenfreude und Aggressivität, zwischen Überforderung und Überheblichkeit. Für Einzelspieler bietet der Titel nicht viel – das muss und will er aber auch eigentlich gar nicht. Damit landet er insgesamt bei einer 8 aus 10, Multiplayer-Veteranen dürfen auf jeden Fall eine Tendenz zur 9 für sich sehen.

Von Tim Herrmann
WiiX Wertung: 8/ 10



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