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Chrono Trigger
Retro-Review von Burkhart von Klitzing (mail) | 23.05.2011
WARNUNG: Wer Chrono Trigger als das beste Spiel aller Zeiten ansieht und schwache Nerven hat, sei darauf hingewiesen, dass sich dieses Review unter Umständen negativ auf seine Gesundheit auszuwirken vermag. WARNUNG ENDE.

Wir schreiben das Jahr 1995, das SNES ist in seinen besten Jahren und jeder Nintendo-Fan ist außer sich vor Freude, wenn Square oder Enix ein neues Spiel veröffentlichen. Damals konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, dass der Zusammenschluss der beiden traditionsreichen Firmen später zu einem derartigen Qualitätsverfall führen würde und so war auch die Freude entsprechend groß, als sich einige der führenden Köpfe hinter Final Fantasy und Dragon Warrior inklusive Nobuo Uematsu, Yoji Horii und Akira Toriyama zusammensetzten um ein gemeinsames RPG-Epos zu schaffen. Kind 
   
dieser Bemühungen ist Chrono Trigger, das nach der DS-Fassung nun auf der VC erstmals den Weg in seiner ursprünglichen SNES-Fassung auch nach Europa findet und nicht nur in den USA (die das SNES-Original damals spielen durften) von vielen Spielern als eines der besten RPGs, wenn nicht gar eines der besten Spiele aller Zeiten gehandelt wird.

Die Geschichte beginnt harmlos mit unserem Helden Crono, der ein Fest anlässlich des 1000-jährigen Bestehens des Königreiches besuchen möchte und dabei das Mädchen Marle kennenlernt, die just Opfer einer der kuriosen Erfindungen von Cronos Freundin Lucca wird und 400 Jahre in der Vergangenheit landet. Was sich hieraus in den nächsten 20-30 Stunden (plus Nebenquests) entfaltet, wird heutzutage von einigen Seiten als seicht und zu simpel diffamiert, doch die Geschichte mitsamt all ihren liebenswerten Charakteren ist einer der stärksten Punkte von Chrono Trigger. Ohne zu viel spoilern zu wollen, sei gesagt, dass (abgesehen vom stummen Helden Crono) jeder der sechs bis sieben spielbaren Charaktere sein ganz eigenes Wesen hat und es jede Menge Spaß macht, zu bestimmten Zeiten mit bestimmten Charakterkonstellationen zu experimentieren, um neue Dialoge zu erleben. Auch die Geschichte an sich ist interessant und stellenweise wendungsreich.

Sie mag in der Tat teils zu seicht ausfallen und einige Aspekte wie Rassismus werden nur grob angeschnitten, sodass ein fast durchgängig fröhliches Abenteuer bleibt, in dem mit der Zeit erfreulich viele Fäden zusammengeführt und selbst Dinge aufgeklärt werden, die zunächst banal erschienen. Schauplatz der Geschichte sind dabei nicht nur die "Gegenwart" (das Jahr 1000) und das Mittelalter (das Jahr 600), sondern noch drei weitere Epochen, die hier nicht verraten werden. Logikfehler lassen sich bei Zeitreisegeschichten kaum gänzlich vermeiden, so auch hier, doch insgesamt überwiegen die positiven Elemente, wenn etwa Bösewichte in einer späteren Zeit verschwinden oder neue Wälder auftauchen oder eine gute Tat bewirkt, dass eine ganze Familie über Generationen hinweg großzügiger wird. Oft werden in Verbindung mit Chrono Trigger die mehr als zehn Enden erwähnt, was zwar korrekt ist und glücklicherweise keiner zehn kompletten Durchgänge bedarf, doch sind einige der Enden mehr nette Gimmicks, denn ergreifende Geschichten. Die Musik in Chrono Trigger ist herausragend. Sie passt meistens perfekt zur Atmosphäre und einige Klänge wird man so schnell nicht vergessen, insbesondere einige der traurigen. Schade nur, dass die Stücke oft abgebrochen werden, wenn man einen Screen verlässt oder einen Kampf beginnt, so dass man oft nur wenige Sekunden eines jeden Stückes hört. Die Grafik ist ebenfalls wundervoll gelungen, mit liebevoll handgezeichneten Objekten, schönen Effekten und geschmeidigen Animationen.

Wer sich an die Warnung zu Beginn des Reviews erinnert, der weiß, dass Chrono Trigger in diesem Review nicht ohne Kritik davonkommt. So ist das Abenteuer trotz all der proklamierten Freiheit (Charakterwahl, zig Enden) arg linear. Bis kurz vor dem Ende bleiben kaum Abweichungen von dem vorgegebenen Pfad und wer doch einmal eigene Wege einschlägt, der findet sich bald in Sackgassen wieder, die später urplötzlich keine Sackgassen mehr sind. Daneben sind die meisten Dungeons ebenfalls zu linear und vor allem zu kurz. Viele Areale (nicht nur Dungeons) würde man gerne länger bereisen und erwartet sich Großes von ihnen, nur um dann nach kürzester Zeit durch zu sein und nie wieder zurückzukehren. Städte sind ausnahmslos klein, leer und beinahe bedeutungslos. Ebenfalls unschön: Das Spiel bleibt weitestgehend zu einfach, nur um dann plötzlich den einen oder anderen frustrierenden Boss aus dem Ärmel zu zaubern, der neben Level-Grinding auch ein Verständnis der verschiedenen Spezialmanöver der Helden erfordert, was sonst getrost ignoriert werden darf. Jeder Held erlernt im Laufe der Zeit verschiedene Fähigkeiten, ähnlich den Zaubersprüchen in anderen RPGs, die offensiver oder defensiver Natur sein können und entweder alleine ausgeführt werden oder die Zusammenarbeit mit einem bestimmten anderen Charakter voraussetzen. Bis auf Heilkräfte und gelegentliche Angriffszauber, die für bestimmte Feinde nötig sind, ist dieses System jedoch über weite Teile des Spiels überflüssig und viele Kombinationsfähigkeiten sind gar um einiges schwächer, als wenn man einfach beide, bzw. alle drei Helden individuell angreifen lässt, so dass man sich meist die Magiepunkte schlicht spart.

Zumindest gegen Ende entwickeln sich mehr und mehr spannende Kämpfe, was vor allem den verschiedenen Konterfähigkeiten der Gegner zuzuschreiben ist. Das Kampfsystem setzt dabei nicht auf klassische Rundenscharmützel (obwohl diese auch ausgewählt werden dürfen), sondern das Active-Time-Battle-System, sprich jeder Teilnehmer wartet darauf, dass sich sein Aktionsbalken auffüllt, bevor er wieder agieren kann. Das Kampfsystem wird sehr oft hochgelobt, doch nicht nur die Spezialfähigkeiten kommen extrem kurz, sondern auch die Positionierung der Kämpfer. Bestimmte Attacken greifen etwa in einer geraden Linie an oder in einem Kreis oder ähnliches. Was interessant klingt, wird durch einige Faktoren fast komplett revidiert: Spezialfähigkeiten sind kaum nötig, Feinde stehen selten in nützlichen Formationen (Zauber, die einfach jeden Feind treffen sind so um einiges nützlicher) und während die Feinde sich frei bewegen dürfen, stehen die Helden wie angewurzelt herum, was jeden Ansatz von Taktik im Keim erstickt. Aus dem System hätte man viel mehr machen können, doch so wie es ist, steht es als vergeudete Chance da. Ein weiterer Fokus des Lobes ist das Fehlen von Zufallsbegegnungen mit Feinden. Das mag soweit stimmen und sehr löblich sein, dafür existieren unzählige Punkte, an denen jedes Mal Kämpfe getriggert werden, denen nicht aus dem Weg gegangen werden kann, was besonders bei wiederholten Besuchen bestimmter Gänge extrem nervig wird.

Fazit:
Chrono Triggers große Stärken sind neben Optik und Sound besonders die Liebe der Entwickler, die aus Story, Charakteren, Welt und einigen Enden geradezu herausströmt. Man entdeckt auch bei erneuten Durchgängen immer wieder nette kleine Details oder kleine Abwandlungen irgendwelcher Events oder auch nur schlicht eine neue herzallerliebste Animation oder schlägt sich an die Stirn und murmelt "Aber ja! Natürlich!", wenn wieder einmal ein scheinbar unbedeutendes Element aufgegriffen wird und einen ganz anderen Sinn erhält. Dummerweise hält das Gameplay da nicht mit und nervt mit vergebenen Chancen. Bleibt die Frage, welche Version die beste ist. Das SNES-Original ist teuer und schwer zum Laufen zu bringen, die PSX-Fassung erschien ebenfalls nur außerhalb Europas und stört mit Ladezeiten. Die DS-Version bietet neben einigen netten Komfortfunktionen eine langweilige Monsterzucht, einen grauenhaften neuen Dungeon, drei kurze, aber nette neue Dungeons, sowie ein zusätzliches, kurzes Ende, ist dafür allerdings an den kleinen DS-Screen gebunden, was im Umkehrschluss wiederum bedeutet, dass es unterwegs spielbar ist. Die VC-Fassung wiederum kostet nur 8 Euro und ist somit die günstigste Alternative und entfaltet sich auf dem (im besten Falle) großen TV-Bildschirm. Was bleibt, ist die Wahl zwischen Tragbarkeit gepaart mit mäßigen Bonusinhalten (DS) und großem Bildschirm gepaart mit kleinem Preis (Virtual Console). Eine weitere Warnung sei noch ausgesprochen: Das Spiel bleibt unübersetzt auf Englisch.

Zweite Meinung von A. Held:
Als jemand, der sehr großer RPG-Fan ist, muss auch ich sagen, dass Chrono Trigger wohl größtenteils aufgrund von sehr viel Nostalgie seinen Stellenwert inne hat. Es erschien damals zu einer Zeit, als Konsolenspiele zaghafte erste Versuche in Richtung Storytelling gemacht haben, und war damals vielleicht das Nonplusultra in diesem Bereich. Schon zur PSX-Ära verblich die Geschichte jedoch im Vergleich zu den damaligen Meisterwerken wie Grandia oder Final Fantasy IX. Und wie jeder Hype hat auch das Gewühl um Chrono Trigger seine Schattenseiten, denn wer heute an das Spiel herangeht und den Über-Titel erwartet, zu dem es von seinen Fans gemacht wird, kann eigentlich nur enttäuscht sein. Die Handlung ruht sich auf einer einzelnen, zugegeben jedoch sehr ergreifenden und für damalige Zeiten gut erzählten Storywendung aus und das Gameplay dümpelt gemächlich vor sich hin; wer weniger freundlich gestimmt ist, könnte sogar sagen, es langweilt. Dass Chrono Trigger trotzdem ein gutes Spiel ist, will von uns beiden keiner bestreiten - wer es bis heute noch nicht gespielt hat und zum VC-Release greifen woll, soll das also bitte tun, sich vor allem beim sehr langsamen Spieleinstieg aber auch vor Augen halten, dass nicht jeder in diesem Spiel das absolute RPG-Paradebeispiel sieht.

Von Burkhart von Klitzing
WiiX Wertung:



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