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Ralph reichts
Review von Andreas Held (mail) | 07.12.2012
Mit Ralph Reichts hat Disney einen etwas überraschenden Animationsfilm angekündigt. Ähnlich wie in Scott Pilgrim vs. The World soll hier die Videospielkultur auf die Schippe genommen werden. Der Streifen richtet sich daher eigentlich an ein älteres Publikum, da Kinder mit Arcade-Spielautomaten und zweidimensionaler Pixelgrafik heute wohl nur wenig anfangen können. Es steht jedoch außer Frage, dass ein solcher Film eine tolle Vorlage für ein Videospiel liefert - ob Activision die Steilvorlage genutzt oder stattdessen einen weiteren belanglosen Lizenztitel produziert hat, fanden wir für euch heraus.



Ein kurzes Review für ein kurzes Spiel
Das Videospiel zu Ralph Reichts ist im Kern ein 2D-Jump'n'Run mit 3D-Grafik (ähnlich wie Donkey Kong Country Returns). Die beiden Figuren Ralph und Felix durchstreifen dabei von Beginn an gemeinsam die drei Videospiele des Films, die hier als Spielwelten mit jeweils vier Levels und einem Bosskampf repräsentiert werden: In Fix-It Felix Jr. hüpfen die Charaktere über eine Baustelle, in Hero's Duty durch ein futuristisches Gebäude und in Sugar Rush durch eine Welt, die komplett aus Süßigkeiten besteht. Diese Welten sind ihrerseits an drei absolute Größen aus der Spieleindustrie angelehnt: Donkey Kong, Call of Duty: Modern Warfare und NinjaBread Man. Etwas seltsam ist, dass man die Welten nicht der Reihe nach beenden kann, sondern zuerst alle zwölf Level absolvieren muss, bevor man im Anschluss gegen die drei Bosse und zuletzt gegen den großen Endgegner antreten darf.

Ralph und Felix verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten und ihr könnt im Spiel jederzeit zwischen den beiden Charakteren wechseln. Ralph ist eher der Mann für's Grobe und kann schwere Kisten verschieben oder zerschlagen, Leitern erklettern und große Gegnermengen verdreschen. Felix eignet sich eher dazu, mit Doppel- oder Wandsprüngen akrobatische Einlagen zu bewältigen und einzelne Gegner mit Distanzangriffen auszuschalten. Obwohl sie so unterschiedlich sind, steuern sich beide Charaktere überraschend ähnlich.

Ab der ersten Sekunde fällt jedem geübten Spieler das schlechte Spielgefühl auf. Steuerung und Kollisionsabfrage sind unpräzise, das Spiel gerade noch ohne größere Probleme spielbar. Ähnlich durchwachsen ist das Leveldesign, welches nie über simple Schalterrätsel und Hüpfeinlagen mit beweglichen Plattformen hinauskommt. Ständig gibt es Passagen, die man aufgrund des schlechten Spieldesigns nicht ohne Energieverlust beenden kann, weil keiner der Entwickler Lust hatte, den nötigen Feinschliff anzusetzen. Im Prinzip ist das aber auch egal, denn sowohl Ralph als auch Felix können eine ganze Menge Treffer einstecken, bis sie einmal das Zeitliche segnen - dazu kommt noch, dass sich ihre Lebensenergie kontinuierlich regeneriert. Eine Passage im letzten Level des Spiels ist hingegen kaum zu bewältigen, wenn man nicht gerade Pixel- und Millisekundengenau arbeitet - ohne absolute Präzision und einen katzenartigen Reflex landet man hier in einer kochenden Flüssigkeit und verliert ein Bildschirmleben.



Die vier Bosse sind ähnlich enttäuschend und im Prinzip nicht viel mehr als normale Gegner, auf die man etwas länger draufhauen muss. Nach 90 Minuten ist der Titel dann schon durchgespielt und lockt lediglich mit in jedem Level versteckten Items zum Wiederspielen. Gleichzeitig wird das Spiel jedoch in einen höheren Schwierigkeitsgrad gezwungen, in dem die Gegner stärker sind, die Checkpoints deaktiviert wurden und dem Spieler obendrein ein Zeitlimit im Nacken sitzt. Somit hat man auch auf die Item-Jagd keine Lust mehr und stellt das quasi frisch ausgepackte Spiel direkt weiter ins Regal.

Belanglose Technik für ein belangloses Spiel
Genauso unterdurchschnittlich wie das Spiel selbst ist auch seine Technik. Die Grafik ist gerade so akzeptabel, lässt jedoch jegliche Stilrichtung vermissen. Selbst innerhalb der einzelnen Welten wirkt alles wild zusammengewürfelt und absolut nicht wie aus einem Guss. Felix wird flach, verpixelt und mit wenigen Animationsphasen dargestellt, erinnert somit an Mr. Game & Watch aus Super Smash Bros. - was auch völlig okay wäre. Doch im krassen Gegensatz dazu ist Ralph dreidimensional, deutlich detaillierter und flüssig animiert. Man würde also eigentlich nicht darauf kommen, dass beide Figuren dem selben Spiel entstammen. Dazu ist der Titel auch noch unsauber programmiert, denn die im Spiel verstreuten Münzen werden erst dann dargestellt, wenn sie sich vollständig im Sichtfeld befinden, sodass diese - je nach Scrollrichtung - ständig an einem der Bildschirmränder aufploppen.



Die Musik ist zwar nicht weltbewegend, aber mit Abstand der beste Aspekt des Spiels. Es gibt nur drei Musikstücke, die sind aber wirklich okay und vor allem abwechslungsreich, was auch nötig ist, da man sie beim Durchspielen der Welten alle etwa 15 Minuten lang am Stück hört. Allerdings muss auch hier jegliche Stilrichtung vermisst werden: In der ersten Welt werden eure Ohren noch mit Chiptune-artiger Retro-Musik versorgt. Dann kommt ihr in die zweite Welt, und welche Art von Musik läuft dort?

Dubstep.

Fazit:
Es ist gut möglich, dass Ralph Reichts das letzte Spiel ist, welches ich für WiiX teste, und es hätte sicherlich einen schöneren Abschluss geben können, als dieses erschreckend lieblos produzierte Lizenzspiel. Technisch und spielerisch bewegt sich der Titel an der Grenze zur Tolerierbarkeit, aber der lächerliche Umfang von 90 Minuten Spielzeit ohne Wiederspielwert macht ihn letztendlich zu einer Software-Dreistigkeit. Das einzig positive, was ich über Ralph Reichts sagen kann, ist, dass es mich an das SNES erinnert - denn dort gab es derart belanglose und minderwertige Jump'n'Runs in Massen: Alfred Chicken, Harley's Humongous Adventure oder die ganzen Infogrames-Lizenzspiele, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ach so, und ein PS noch an die Übersetzer von Disney: Mir reicht's, dass die Regeln der deutschen Sprache allein zugunsten der optischen Darstellung von Markennamen ignoriert werden. Der Bindestrich ist auf diese Weise schon ums Leben gekommen, der Apostroph soll wohl als nächstes dran sein. Schaut euch lieber den Film an - denn der ist wirklich gut.

Von Andreas Held
Wertung für das Spiel Ralph reichts
Wertungen Beschreibung
4.0Grafik
Grafik - Lieblose, zusammengewürfelte und technisch unsaubere Optik.
6.0Sound
Die drei Musikstücke sind zwar nur Durchschnitt, im Kontext dieses Spiels jedoch schon ein absolutes Highlight.
4.0Steuerung
Die Steuerung und die Kollisionsabfrage sind höchst unpräzise. Dass Ralph Reichts trotzdem keine Probleme macht, liegt nur am extrem niedrigen Schwierigkeitsgrad.
3.5Gameplay
Das Spiel endet nach 90 langweiligen und höchst belanglosen Minuten. Mehr muss man eigentlich nicht wissen.
4.5Gesamt
(Kein Durchschnitt der Einzelwertungen)



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