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FIFA 13
Review von Kamil Witecy (mail) | 08.10.2012
Tests zu Sportspielserien von EA Sports sind eine Sache für sich. Sie versuchen Formulierungen wie „Alle Jahre wieder“ oder „alljährlich“ zu vermeiden und erwähnen stattdessen jede noch so klitzekleine Erneuerung des aktuellen Ablegers explizit, um Kenner der Vorgänger beim Lesen nicht zu langweilen. Manchmal jedoch kann selbst das akribische Suchen nach Neuerungen nicht groß helfen, da die Entwickler scheinbar nur die Saison-Updates des jeweiligen Jahres vorgenommen haben, das Spiel ansonsten aber nicht weiter verändern. Und tatsächlich: Beim diesjährigen FIFA 13 trifft diese Vermutung wirklich voll ins Schwarze.

Spielmodi – Alles beim Alten
Ein kurzer Blick ins Menü genügt, um sich heimisch zu fühlen: Vom guten alten Freundschaftsspiel bis hin zu den aus dem Vorgänger bereits bekannten Wii-exklusiven Modi wie Hallenfußball oder Straßenfußball ist alles wieder dabei. Diese machen nach wie vor jede Menge Laune, nach Verbesserungen in Form von neuen Match-Typen oder Power-Ups sucht man jedoch vergebens.

Auch der im letzten Jahr neu eingeführte Manager-Modus, der in Sachen Umfang und Spieltiefe mittlerweile fast mit seinen HD-Vorbildern konkurrieren kann, ist wieder im Spiel zu finden. Das Strukturieren und Analysieren von Trainingseinheiten ist ebenso möglich wie das punktuelle Aufwerten eures gesamten Trainerstabes. Dabei dürft ihr natürlich nicht wahllos mit Geld um euch werfen, nur sinnvolle Transfers führen euer Team in der Tabelle weiter nach oben. Ein gewisser Herr Felix M. aus W. würde aufgrund dieses Konzeptes den Manager-Modus von FIFA 13 sicherlich nicht anrühren, alle anderen können aber einige spaßige Stunden damit verbringen.



Ebenfalls wieder vorhanden ist der Städtepokal-Modus, in dem ihr eure eigene fiktive Kleinstadt sukzessive den Fußball-Olymp erklimmen lasst. Ihr müsst dabei auf dem Spielfeld bestimmte Vorgaben erfüllen, sei es ein Kopfballtor oder ein Diagonalpass, um Achievements in Form von Population zu erhalten. Mit der kontinuierlich wachsenden Bevölkerungsdichte kann euer Team immer weiter Gestalt annehmen, um dann schließlich gegen andere Städte im namensgebenden Städtepokal anzutreten. Die Achievements freizuspielen ist teilweise gar nicht so einfach und lässt den ambitionierten Spieler seine Grenzen ausloten. Hat man die Vorgaben letztendlich erfüllt, freut man sich umso mehr über den Bevölkerungszuwachs.

Bumm, Schuss, Tor. Wie immer, oder?
FIFA 13 bietet an Lizenzen alles, was das Fußballherz begehrt. Über 30 lizenzierte Ligen mit mehr als 12.000 Spielern stehen zur Auswahl. Dabei wurden alle Transfers der Saison 12/13 getätigt. So spielt Javi Martinez nun bei Bayern München und Ibrahim Affelay bei Schalke 04, während die Ex-Mailänder Zlatan Ibrahimović und Thiago Silva nun die Schuhe für Paris Saint-Germain schnüren. Entscheidend wird es allerdings auf’m Platz und da hat sich seit FIFA 11 absolut gar nichts getan. Wie gehabt, könnt ihr euch zwischen der Classic-Controller-Variante, der Kombination aus Wii-Remote und Nunchuck und der einsteigerfreundlichen Wii-Remote-Steuerung entscheiden. Die Steuerung mit Wii-Remote und Nunchuck geht dabei am besten von der Hand, auf exzessives Wiimote-Schwingen wurde glücklicherweise verzichtet. So passt ihr euch mit dem A-Knopf durch die Reihen, vollendet mit dem B-Trigger und grätscht in der Abwehr mit einer ruckartigen Bewegung der Wii-Remote. Alles wie gehabt.



Doch nicht nur die Steuerung, sondern auch Spielmechanik, Sound und vor allem die Grafik sind identisch zum Vorgänger. Ihr geht weiterhin sehr arcadelastig zu Werke, was wohl bedeutet, dass sich diese Methode frei von zu viel Realismus als Spielmechanik der Wii-Versionen etabliert zu haben scheint. Meint man es also gut mit EA, darf man die Eins-zu-Eins-Übernahme als den endlich getätigten Schritt hin zur Kontinuität bezeichnen, doch bleibt ein ziemlich negativer Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass wirklich keine Verbesserungen vorgenommen wurden. In Sachen Passspiel und Spielgeschwindigkeit hätte sicherlich einiges getan werden können, doch sind weit und breit keine Veränderungen zu erkennen.

Moderner Fußball sieht anders aus

Wie bereits erwähnt, hat sich auch in Sachen Sound und Grafik wirklich nichts getan. Wie schon im letzten Jahr werden die Spiele von Frank Buschmann und Manfred Breuckmann kommentiert, die nun mit einer Hand voll neuer Sätze aufwarten. In Sachen Grafik bleibt auch alles beim Alten: Das Spiel versucht gar nicht erst, den Fotorealismus der HD-Kollegen nachzuahmen, sondern konzentriert sich darauf, zur arcadigen Spielmechanik zu passen. Das gelingt ihr mit Spielermodellen im Comic-Look und kräftigen Farben recht gut, doch das war auch schon in FIFA 11 und FIFA 12 der Fall. Die matschigen Texturen aus dem Vorgänger wurden ebenfalls eins zu eins übernommen, gerade im 480p-Modus werden die grafischen Schwächen des Titels deutlich.



Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich bei FIFA 13 diesmal um einen absolut lieblosen Aufguss handelt, ist die Tatsache, dass sämtliche Online-Modi weiterhin fehlen. Konnte man sich in FIFA 11 noch spaßige Zwei-gegen-Zwei-Duelle im Netz liefern, schaut man als Besitzer von FIFA 13 weiterhin in die Röhre und muss wohl in diesem Jahr umso mehr neidisch auf die Versionen für die Xbox360 und PS3 blicken. Denn diese zeigen, wie ein gutes Fußball-Spiel aussehen muss. Wer sich zudem fragt, warum wir die im Rahmen dieses Reviews gezeigten Screenshots doppelt posten: Der erste Screenshot stammt jeweils aus FIFA 12, der zweite aus FIFA 13. Noch Fragen?

Fazit:
Euch ist aufgefallen, dass dieser Text dem Review aus dem Vorjahr sehr stark ähnelt? Herzlichen Glückwunsch, ihr liegt absolut goldrichtig. Denn wenn Electronic Arts sparsam mit seinen Neuerungen umgehen kann, dann können wir dies erst recht. Bis auf die aktuellen Team- und Spielerdaten, den neuen Soundtrack und die neu hinzu gekommene Saudi-Arabische Liga gleichen sich FIFA 12 und FIFA 13 auf der Wii in Bezug auf Gameplay, Grafik, Spielmodi und sogar bei den Spielmenüs wie ein Ei dem anderen. FIFA 13 für Wii ist somit im Grunde einfach FIFA 12 mit aktualisierten Transfers und bietet spielerisch wirklich keinen noch so klitzekleinen Mehrwert im Vergleich zum Vorgänger. Nicht einmal der in FIFA 12 schmerzlich vermisste Online-Modus wurde wieder eingeführt. Um es daher kurz zu machen: Das diesjährige FIFA für Wii ist eine Frechheit und sollte eigentlich von niemandem, der nicht gerade unbedingt die neuesten Kader-Updates für Wii braucht, mit einem Kauf zum Vollpreis belohnt werden. Besitzer des Vorgängers könnten sich im Grunde einfach das neue Cover mit Lionel Messi aus dem Internet ausdrucken und einige wichtige Transfers manuell durchführen – es würde ihnen beileibe nicht schlechter ergehen. Eigentlich eine Schande und eine echte Ohrfeige für langjährige FIFA-Wii-Spieler, wenn man bedenkt, wie gut sich die Serie in den letzten Jahren doch entwickelt hat. Denn für die aktuellen HD-Konsolen und den PC ist FIFA 13 auch in diesem Jahr wieder ein exzellentes Fußball-Spiel geworden, bei dem man bedenkenlos zugreifen kann. Dementsprechend bleibt uns nur zu hoffen, dass Wii U in den nächsten Jahren auch endlich dauerhaft die FIFA-Titel spendiert bekommt, die Nintendo-Fans wirklich verdienen und der diesjährige Aussetzer eine absolute Ausnahme bleibt.

Von Kamil Witecy
Wertung für das Spiel FIFA 13
Wertungen Beschreibung
6.0Grafik
Derselbe nette, aber doch matschig daherkommende Comic-Look wie im letzten Jahr.
8.0Sound
Guter Soundtrack, gute Stadionatmosphäre und das gewohnte Moderatoren-Duo.
8.9Steuerung
Die gelungenen Steuerungsvarianten aus dem Vorgänger wurden komplett übernommen und funktionieren weiterhin tadellos.
5.0Gameplay
Dreiste Stagnation – es gibt diesmal keine spielerischen Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger, alles ist beim Alten geblieben. Dadurch ist das Spiel nicht schlechter als sein Vorgänger, allerdings ist das Fehlen sämtlicher Neuerungen Grund genug für Punktabzüge.
5.5Gesamt
(Kein Durchschnitt der Einzelwertungen)



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